Dramatischer Lehrermangel nur durch höhere Attraktivität des Lehrerberufs im Freistaat abwendbar

Noch im November behauptete Kultusminister Wöller vor dem Landtag, dass in Sachsen nur Lehrer mit pädagogischer Ausbildung eingestellt werden – es ist gut, dass er sich mittlerweile bei meiner Fraktionskollegin Cornelia Falken für diese Aussage, die nicht der Wahrheit entsprach, entschuldigt hat. Ob er das Parlament damals getäuscht oder es nicht besser gewusst hat, sei dahingestellt. Durch die aktuellen Überlegungen zur Abhilfe für den Lehrermangel – Stichwort Zwei-Klassen-System im Lehrerzimmer mit verbeamteten Rückkehrern oder Neuzugängen aus den alten Bundesländern und den hier Gebliebenen – ist nicht nur nach Auffassung der GEW die Grenze des Zumutbaren erreicht.

Die Situation an den sächsischen Schulen ist dramatisch – 75 Prozent der Lehrer werden bis 2030 den Ruhestand erreichen. Jährlich wären bis zu 1.500 Neueinstellungen notwendig, stattdessen stehen bis 2020 weitere 5.000 Lehrerstellen zur Disposition. Das vor Weihnachten präsentierte „Bildungspaket“ entspricht nicht einmal dem von Herrn Wöller selbst ermittelten Bedarf. Zu den Studenten, die Sachsen den Rücken kehren, gehört auch meine Tochter. Wenn die Staatsregierung nicht einmal die jungen Leute in Sachsen halten kann, die hier ausgebildet worden sind, wird das Problem nicht zu lösen sein.

Zwischen Geburt und Einschulung liegen bekanntlich sechs Jahre – hätte das Kultusministerium rechtzeitig auf steigende Geburtenzahlen reagiert, stünden die Schulen in Sachsen jetzt nicht vor dieser Katastrophe. Nun wurde ein 200 Millionen Euro schweres Bildungspaket ausgerufen, ohne zu sagen, woher das Geld kommen und wem es gestrichen werden soll. Die Lehrerausbildung dauert fünf, sechs Jahre, und diese Zeit fehlt uns jetzt. Und ob es überhaupt zu einer Sondervereinbarung mit der TU Chemnitz über Grundschullehrer-Ausbildung kommt, ist angesichts des geheimniskrämerischen Umgangs mit der Hochschule im Vorfeld noch offen.

Den Lehrern wurde in Sachsen viel zugemutet – sehr viel mehr Pflichtstunden, Zwangsteilzeit, schlechtere Bezahlung. Schon heute gibt es auch in weiterführenden Schulen erheblichen Stundenausfall. Wer daran etwas ändern will, muss die Motivation für den Lehrerberuf im Freistaat verbessern.

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