Rede zum Erhalt der Mittelschule Kreischa

Herr Präsident, meinen Damen und Herren,

die Fraktionen LINKE, SPD und GRÜNE begehren mit dem vorliegenden Antrag den Erhalt der 5. Klassen an der Mittelschule Kreischa. Das SMK beabsichtigt nach wie vor, die beiden zu Beginn dieses Schuljahres gebildeten 5. Klassen aufzulösen, wenn auch nun “erst” zum Ende des Schuljahres.

Kreischa 21″ stand auf einem der handgemalten Transparente, die wir am Montag an der Schule in Kreischa zu sehen bekamen.

Nun mag ja der Vergleich von 10tausenden “Wutbürgern” in Stuttgart und den vergleichbar wenigen, vielleicht nur ein paar hundert Kindern, Eltern, Kommunalpolitikern, Einwohnern und ihren Sympathisanten in und um Kreischa ungerecht oder überzogen erscheinen und aller Voraussicht nach wird sich auch kein Heiner Geißler als Schlichter in diesem Streit melden.

Aber, was entschiedener Protest bewirken kann, haben die Gallier aus Kreischa gerade bewiesen. Sie haben bewirkt, dass das SMK und mit ihm an der Spitze ein sturer Minister, der wie ein bockiges Kind mit den Füßen gestampft hat und partout zwei 5. Klassen mitten im Schuljahr auseinanderreißen wollte, einsehen musste, dass er auf dem Holzweg ist. Nicht zuletzt war es wohl auch der Widerstand in ihren eigenen Reihen, Herr Minister!

Hieß es Anfang letzter Woche noch, das Ministerium hat keinerlei Spielraum – alternativlos ist übrigens seit gestern das neue Unwort des Jahres – Freitagmittag wurde daraus, dass die Kinder in Frieden lernen können müssen.

Richtig Herr Minister! Aber was für eine Blamage für Sie! Und was für ein Teilerfolg für Widerstand.

Danke an Eltern, Kinder und Kommunalpolitiker, dass sie nicht nachgelassen haben – und nicht nachlassen!

Aber ein Teilerfolg ist eben noch kein Sieg. Leider ist das gemeinsame Lernen der jetzigen 5.-Klässler über das Schuljahr hinaus nicht gesichert. Das Damoklesschwert der endgültigen Schließung der Schule am Ende dieses Schuljahres schwebt über allen 111 Kindern in Kreischa.

Und hier war der Minister überaus deutlich: Der Bürgermeister der Gemeinde und Schulträger der Mittelschule solle doch jetzt seine Klage zurückziehen und den Weg freimachen für die längst fällige Aufhebung der Schule.

Was für eine irrwitzige Fortsetzung ihrer Schulschließungspolitik der letzten Jahre, die zum Erblühen der freien Schulen führte, die sie nun wiederum mit dem kürzlich beschlossenen HBG beschränken wollten und werden.

Meine Damen und Herren,

Gestatten sie mir einige Bemerkungen zur Historie:

Im Jahr 2006 war der damalige Kreistag des Weißeritzkreises gezwungen, aufgrund geltender gesetzlicher Grundlagen und Auflagen im Bereich Bannewitz/Kreischa eine der beiden Mittelschulen zu schließen. Der Kreistag sprach sich zunächst für Kreischa aus, korrigierte aber in der folgenden Sitzung den Beschluss zu Gunsten Bannewitz mit dem ausdrücklichen Wunsch, Kreischa als Außenstelle oder Schulverbundlösung zu erhalten. Bannewitz allein wurde genehmigt und im Schulnetzplan des verflossenen Weißeritzkreises steht, dass es ab 2007 keine Mittelschule in Kreischa mehr gibt.

Unabhängig davon erließ das SMK bereits für das Schuljahr 2008/9 eine Ausnahmegenehmigung für eine eigentlich schon geschlossene Schule. Die Gemeinde hoffte wieder, niemand dachte mehr daran, die Schule zu schließen. Ganz im Gegenteil, das SMK erließ eine weitere Ausnahmegenehmigung.

Also wurden Ganztagsangebote und der behindertengerechte Ausbau des Schulhauses, das im Übrigen Grundschule, Mittelschule und Hort beherbergt, Schritt für Schritt weitergeführt.

Neben Treppenlift, Rampen für Rollstuhlfahrer und behindertengerechte Toiletten gibt es in der einstmals typischen H-Schule Typ Dresden inzwischen auch Unterrichträume mit sogenannten induktiven Hörschleifen für hörgeschädigte Kinder.

Auch deshalb hat sich der Kreistag des neuen Landkreises Sächsische Schweiz – Osterzgebirge im Sommer 2010 für die Mittelschule in Kreischa ausgesprochen und am 6.12.2010 erneut einen einstimmigen Beschluss zum Erhalt des Schulstandortes und eine Aufnahme in die Fortschreibung des Schulnetzplanes ausgesprochen. Wenn das Ministerium ein weiteres Bekenntnis der zuständigen kommunalen Ebene braucht – das ist es!

Für dieses Schuljahr meldeten sich nun 38 Kinder an – mehr als in allen Jahren zuvor und mit VG-Beschluss wurden 2 Klassen gebildet. Und um die geht es hier und heute!

Nicht zuletzt aber das Alleinstellungsmerkmal der vorbildlichen barrierefreien Ausgestaltung des Schulgebäudes führt dazu, dass die Schule nicht nur für behinderte Kinder aus der Region und der näheren Umgebung erster Wunsch und Anlaufpunkt ist. Derzeit werden 3 Integrationskinder an der Schule unterrichtet, darunter ein kleiner tapferer gehbehinderter 5.-Klässler aus Hartha, der seit der ersten Klasse die Schule besucht und trotz Behinderung als Lieblingsfach Sport angibt. Darüberhinaus bietet die Schule durch ihre Nähe zur Bavariaklinik die einzige Möglichkeit, die Kinder von Patienten, die mit ihren Eltern an der Klinik betreut werden, in erforderlichem Umfang und vernünftiger zeitlicher Abfolge zu unterrichten. Im vergangenen Schuljahr waren dies 11 Kinder. Auch für diese ist der Schulstandort in Kreischa unverzichtbar.

In diesem Sinne, meine Damen und Herren, stimmen Sie unserem Antrag zu, lassen Sie Schule im Ort, und geben Sie der kommunalen Ebene die Verantwortung für ihre Interessen zurück.

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